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Am 27.01.1968 weihte der BSV Mehrum die überwiegend in Eigenleistung gebaute Schützenhalle in der Abtsmiers ein. Diese Einweihung wurde in der „Klompenkamer“ Gaststätte Mölleken gefeiert. Bei dieser gab es Glückwünsche und Festreden von Gästen aus Politik und Wirtschaft. Die Schützenjugend umrahmte mit einem Theaterstück und Geschichten. Der Männergesangverein Germania Mehrum trug Lieder vor. In einem Gedicht wurde in humorvoller Weise der Werdegang der Schützenhalle vorgetragen, aber auch darauf hingewiesen, daß ein Bolzplatz für Kinder dringend gebraucht wird.

Die folgenden Bilder zeigen die Entstehung der Schützenhalle in der Aussbaustufe zur Zeit der Einweihung.

im Hintergrund ist der offene, alte Schießstand zu erkennen

Abtransport der Dachpfannen zum Bau der Schützenhalle

Gedicht zur Schützenhalleneinweihung 1968, vorgetragen von Bert Seuken

links Bert Seuken, rechts Kurt Rissel



Einweihung Bolzplatz

Im Juli 1968 war es dann soweit, Dietrich Evers stellte ein Grundstück zur Verfügung und mit entsprechender Eigenleistung der Dorfge-
meinschaft wurde ein Bolzplatz erstellt.

Stehend: Engelbert Seuken, Johann Hüser, Detlef Kalkstein, Bert Seuken, Dieter Köhnen,
Gerd-Wilhelm Pajenberg, Klaus Ingenwerth, Ralf Dickmann
Knieend: Heinz Wingers, Gerd Hüser, Winand Ettwig, N.N., Klaus Hochstein, Wolfgang Raschewski
, Alfred Rissel,

v.l.n.r.: Herbert Langhoff, Jürgen Lemm, Walter Heiligenhaus, Erwin Langhoff, Hugo Lemm, Heinz Dieter Dislich, Dieter Dorstewitz

v.l.n.r. : Heinz Dieter Dislich, Hermann Rissel, Dieter Dorstewitz, Heinz Hülser, Friedhelm Wingers, Hans Hermann Dickmann, Reinhold Evers

Anfang der 1970 er Jahre

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Aber es gab auch unangenehme Dinge zu bewältigen.

Anfang der 1970 er Jahre plante die VEBA AG ein riesiges Chemiewerk auf der linken Rheinseite, im Orsoyer Rheinbogen.
Die damalige Landesregierung NRW hatte- auf Antrag des Ruhrsiedlungsverbandes- das Ackerland in Industriefläche umgewidmet.
Der Bau dieses Chemiewerkes stand kurz bevor. Eine Welle der Entrüstung ging durch die Bevölkerung im rechtsrheinischen Raum.
Man wusste von vorhandenen Chemiewerken um die Umweltbelastung durch gesundheitsschädliche Abgase. Da in unserer Gegend die vorherrschende Windrichtung Südwest ist, konnte man ahnen, dass Mehrum besonders betroffen wäre.
Es wurde bereits über eine Umsiedlung Mehrums diskutiert.

Die beiden Rheindörfer Mehrum und Götterswickerhamm gründeten eine Interessengemeinschaft gegen gefährliche Industrieansiedlungen. Später schloss sich auch Löhnen dieser Gemeinschaft an. Über einige Jahre gab es eine große – bis dahin nie dagewesene – Protestbewegung. Es war zu der Zeit noch üblich, Industrieansiedlungen zu fördern, statt ihre Nachhaltigkeit zu hinterfragen.

Der Satz vom damaligen Bundeskanzler Brandt: „ Wir wollen einen blauen Himmel über der Ruhr“ führte auch in der Politik zum Nachdenken.

Ob nun der geballte Widerstand der Bevölkerung gegen diese Ansiedlung, oder wirtschaftliche Gründe bei der VEBA AG den Bau dieses Werkes verhinderten, ist zumindest in Mehrum nicht abschließend ergründet worden. Wichtig für Mehrum war, das Werk wurde nicht gebaut.

Kohleabbau
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Große Auswirkungen auf unser Dorf hatte der Kohleabbau durch das Bergwerk Walsum der RAG. Die Ausweitung des Steinkohlebergbaus nach Norden begann. Das Bergwerk Walsum begann im Jahre 1980 mit dem Bau eines Schachtes zur Bewetterung und Seilfahrt in Voerde Löhnen.

Der Schacht war 1987 fertiggestellt und wurde mit einem Tag der offenen Tür eingeweiht. Ab 1991 baute man im Bereich Mehrum Kohle ab. Unter dem Dorfkern wurde wegen tektonischen Versatzes keine Kohle abgebaut. Durch die Kohleförderung entstanden unterirdisch gewaltige Hohlräume. Diese wurden nicht verfüllt, sondern man ließ das Gestein einfach zusammenbrechen. Das führte an der Erdoberfläche zu Bergsenkungen und zu erheblichen Schäden an Häusern und Infrastruktur.

In unserem Dorfbereich erlitten vier Häuser Totalschaden. Auf dem Reshover Weg waren die Familien Dickmann und Hochstein, auf der Schulstraße, die Familie Radtke und auf dem Waterweg die Familie Mateki betroffen. Diese Häuser wurden durch Neubauten ersetzt. Bei neuen Häusern ( 10 Jahre alt) waren schon beim Bau Bergsicherungsmaßnahmen durchgeführt worden. An allen anderen Häusern entstanden mehr oder weniger große Schäden, die relativ schnell und unbürokratisch behoben wurden.

Der Abbau der Steinkohle führte auch an der Schützenhalle zu Bergschäden durch Bergsenkungen. Es kam in den Jahren 2009 – 2012 zu einer Komplettsanierung und damit zu dem Bauzustand wie im folgenden Bild zu sehen.

Im Jahre 2008 wurde das Bergwerk Walsum geschlossen und damit die Kohleförderung beendet. Fachleute sagen: 15 Jahre nach dem letzten Abbau ruht der Berg. Der Rheindeich wurde im Abbaugebiet erhöht und damit der Hochwasserschutz gewährleistet.

Die örtlichen Bergsenkungen sind auf folgenden Plan dargestellt.

Typischer Bergschaden im Dorf, gerissene Fliesen und Risse im Mauerwerk

Häuser erhielten einen kompett neuen Keller


Ein weiterer Verein wird gegründet.

Auch im Vereinsleben des Dorfes gab es eine Erweiterung. Im Jahr 1973 wurde in Mehrum ein Frauenchor gegründet.
Die Geschichte des Frauenchores ist in einer vereinseigenen Chronik nachzulesen und wird demnächst in der Chronik veröffentlicht.


In der Kommunalpolitik kam es zu grundlegenden Entwicklungen.

Da gab es den Plan, die Gemeinde Voerde aufzuteilen. Der nördliche Teil sollte zu Wesel gehören
und der südliche Teil zu Dinslaken. Hiergegen konnte sich Voerde erfolgreich zur Wehr setzen und eine Aufteilung verhindern.

Im Jahre 1981 ist man zu einer vollkommen anderen Meinung gekommen. Voerde wurde Stadt.

Hierzu gibt es unter dem Titel „ Kommunale und politische Zugehörigkeit“ eine ausführliche Beschreibung.

Das Rheindorf Mehrum hat zu diesem Zeitpunkt 430 Einwohner, drei landwirtschaftliche Betriebe und ein Kies-und Steinwerk. Beim Festumzug, anlässlich der Stadtwerdungsfeier, präsentierten die Mehrumer ihre landwirtschaftlich geprägte Vergangenheit. Mit einem gewissen Stolz aber auch die, im Jahre 1694 gegründete Gildeschule Mehrum.

In der Folgezeit ist es gelungen , durch sorgfältige Bebauungsplanung den dörflichen Charakter Mehrums zu erhalten. Das macht das Dorf attraktiv für junge Familien mit Kindern. Die älteren Dorfbewohner vermissen allerdings eine gute Anbindung durch den öffentlichen Nahverkehr.

Im nachstehenden Diagramm sieht man die Bevölkerungsentwicklung des Dorfes ab 1949.