Der nachfolgende Text ist dem Buch „Die Dorfgeschichte von Mehrum und die Geschichte des adligen Hauses Mehrum“ von Walter Neuse entnommen. Ergänzt wurde er um Ausführungen in der Festschrift „300 Jahre Bürgerschützenverein Mehrum 1692 e. V.“.

Wie entstand der Ortsname „Mehrum“?
Die Alteingesessenen bezeichnen ihr Dorf in ihrer Mundart nicht Mehrum, sondern Mehrem, und das mit Recht: Denn Mehrum ist eine Abwandlung von Mehrem. Noch älter ist der Name Mehrhem, der auf Mehrheim zurückgeht, wie aus Urkunden älterer Zeit zu ersehen ist. Mehrheim ist das Heim oder die Siedlung am Meer. Wo aber war das Meer? Es war eine besonders breite Stelle des ehemaligen Rheinarmes, der das heutige Wiesengebiet zwischen Götterswickerhamm – Löhnen – Mehrum – einerseits und Möllen – Voerde – Spellen andererseits durchfloß. Von diesem Mehr ist auch noch 1582 die Rede. Es wird die Fischerei im Spellener Mehr verpachtet. Die längs des Nordufers dieses Meeres entstandene Siedlung führte den Namen Op ten Mehr oder Am Mehr, heute kurz Mehr genannt.
Der Name Mehrheim verrät uns auch das Alter der Siedlung. Alle in der niederrheinischen Gegend liegenden Siedlungen mit „heim“ sind fränkischen Ursprungs! Ein Beweis dafür, dass der Ort zur Zeit der Franken schon bestand, sind die auf der Mehrumer Gest vor einigen Jahren ausgegrabenen Urnen – geschichtliche Nachrichten über Merheim oder Merhem sind erst ab der Mitte des 12. Jahrhunderts verzeichnet.
Die Entwicklung des Dorfes
Die erste urkundliche Erwähnung von Mehrum erfolgte im Jahre 1003. Durch eine Originalurkunde vom 19. Mai (Hauptstaatsarchiv Düsseldorf) ist belegt, dass der Erzbischof Heribert von Köln von einem Ministerialen der Kölner Kirche St. Peter, namens Wezelinus und seiner Frau Meinburga deren Güter in „Merhem, Stockem und Goterswic“ erwarb.
Der Erzbischof übertrug seine Liegenschaften auf die von ihm gegründete Abtei Deutz und richtete in Mehrum ein Lathengericht ein, an das die Inhaber der elf zerstreut liegenden Lathengüter den Zins zu zahlen hatten. Erst nach 1800 ist dieses Lathengericht aufgehoben worden.
Die Gemarkung des Dorfes Mehrum war einst viel größer als heute. Zu ihr gehörte auch noch das Gebiet vom Rhein bis Rheinberg, der frühere Mehrumer, der heutige Rheinberger Grind. Durch Verlagerung des Rheinlaufes, der einst an Rheinberg vorbei führte, wurde der Grind von der Dorfmark getrennt. Das begann im Jahre 1668, als der Rhein sich durch den Grind ein neues Bett schuf. Von der Zeit an drängte er Jahr für Jahr immer weiter nach Osten, schwemmte jedoch an seinem Westufer nach und nach neues Land an. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts haben die Mehrumer über Uferabbruch durch den Rhein zu klagen. Als Frankreich im Jahre 1794 alles Land der linken Rheinseite in Besitz nahm, wurde der Grind dem Amte Orsoy zugeschlagen.
Mehrum entsteht: Zeitgenössische Belege
An der Wegegabelung zur Südseite des Dorfes stand vor einigen hundert Jahren ein Hagelkreuz. Eine Akte von 1664 berichtet:
„Das Hagelkreuz ist vorhaupts unseres Gestkamps zwischen der
Weber- und Kirchstraße gestanden. Die Lutheraner nennen es jetzt Hagdorn.“
Auf einer Karte, welche der Johanniterorden zu Wesel wegen seiner Liegenschaften in Mehrum anfertigen ließ, ist das Kreuz auch eingezeichnet und mit Heyenpaell bezeichnet. Von der Straße, die westlich des Hauses Mehrum nach Ork führt, heißt es:
„Zu wissen, dass die Schleusensraße vor Zeiten allhier nicht gewesen ist,
sondern von den Spanischen erstlich bei der Belagerung Rheinbergs 1623 oder 1624
gemacht wurde. Vorher ging sie längs des großen Schlags bei Wennen Hof.“
Von dem großen Schlag liegt die Nachricht vor:
„1598 konnte der große Schlag wegen des Admiranten (dem spanischen Heerführer Mendoza)
nicht benutzt werden. 1599 bis 1606 auch nicht wegen der stetigen Einlagerung der
staatlichen (holländischen) und spanischen Kriegsheere, die ihr den Weg durch
die Weide nahmenund auch eine Redoute darin aufwarfen.“
Die Nachrichten von der Belagerung Rheinbergs und den Durchmärschen holländischer und spanischer Truppen weisen auf den seit 1584 währenden Kampf dieser Kriegsheere um die damals kurkölnische Festung Rheinberg und um die Stadt Wesel hin. Die Bewohner der Umgegend hatten unter Plünderung und Brandschatzung dermaßen zu leiden, dass sie ihre Wohnstätten verließen und in Wesel oder Dinslaken zuflucht suchten. Eine große spanische Schanze (Redoute) war auf dem Mehrumer Grind. Auch östlich von Mehrum war eine Schanze errichtet werden. Ihr verdankt die Ortschaft Schanzenberg ihren Namen.
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Die Bauerschaft Rhinum.
Ursprünglich wurde diese Bauerschaft Rhinheim genannt. Sie lag südwestlich von Reeshoven und nordwestlich von Götterswickerhamm. Durch Verlagerung des Rheinbettes wurde sie nach und nach weggespült. Ihr Untergang scheint zu Anfang des 17. Jahrhunderts vollendet gewesen zu sein.
Rhinum war nicht die einzige Ortschaft, die vom Rhein verschlungen wurde. Sie teilte ihr Schicksal mit Ruberg, das bei Eversal lag, und mit Lindekum oberhalb von Orsoy.
Quellennachweis:
In dem Buch „ Die Dorfgeschichte von Mehrum und die Geschichte des adligen Hauses Mehrum“ hat Walter Neuse ( bearbeitet und zusammengestellt von Jakob Hülser) alle bekannten Geschichtsdaten zusammengefasst.
Dieses Buch befindet sich in der Gildebibliothek.



