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Am 23.03. 2005 fand die Einweihung statt.

Im März 2005 wurde auf Initiative der Gilde Mehrum  und seines damaligen Vorsitzenden Willi Hüser, an der Friedenseiche ein Gedenkstein mit symbolisiertem Deichdurchbruch errichtet. Die künstlerische Gestaltung stammt von dem Voerder Künstler Julius Seifert.

Aufbau und Errichtung der Erinnerungsstätte erfolgte überwiegend in Eigenleistung.


Bei der Einweihung berichtete Willi Hüser als Zeitzeuge, wie er diese Zeit in Mehrum erlebte.

Sehr geehrte Damen und Herren,
Mehrum vor 60 Jahren, ein Dorf, das geprägt war von Landwirtschaft und dem Haus Mehrum, Sitz der Familie von Plettenberg.
Ich war damals 12 Jahre alt und unsere Familie bewirtschaftete einen kleinen landwirtschaftlichen Betrieb. Wir waren einige der wenigen Familien, die damals noch in Mehrum geblieben sind. Das Dorf Mehrum scheint strategisch ein wichtiger Ort zu sein, denn nicht nur im 2. Weltkrieg, sondern auch nach dem Krieg wurde das Dorf von militärischen Einheiten besucht, sogar Natoeinheiten probten hier wieder den Rheinübergang. (Die Natorampe wurde gebaut) In den ersten Kriegsjahren kamen polnische Gefangene nach Mehrum, Frauen und Männer, die bei den Bauern und Landwirten untergebracht waren, zur Mithilfe in der Landwirtschaft für kriegsdienliche Zwecke. Französiche Kriegsgefangene wurden in den Nebenräumen von Haus Mehrum untergebracht. Diese wurden jeden Morgen unter Bewachung nach Löhnen zu den Bauern gebracht und mussten dort auf den Feldern arbeiten.
Russische Gefangene, meistens Frauen und Kinder sind im Haus Mehrum untergebracht worden. Das waren dann auch die letzten Bewohner von Haus Mehrum. Danach wurde es von der alliierten Artillerie zerstört und nicht wieder aufgebaut.

Am 3. März 1945 explodierten die ersten Granaten hier an der Friedenseiche und auf den angrenzenden Feldern. Danach wurden die Gefangenen freigelassen. Bei den Bauern und Landwirten wurden die Stallungen geöffnet, sämtliche Tiere sind abgetrieben worden. Sammelplatz sollte Kirchhellen sein, da sind die Tiere aber nicht angekommen. In Bruckhausen-Hünxe und Hiesfeld sind die Tiere geblieben , nur ganz wenige sind später zurückgeholt worden.
Auch viele Mehrumer begaben sich in Sicherheit, verließen ihre Häuser und flüchteten zu Freunden und Verwandten bis nach Bückeburg. Nur wenige sind direkt in Mehrum geblieben. Am 23. März war es so weit, es war ein herrlicher Frühlingstag, klare Sicht und blauer Himmel. Ich selber konnte beobachten, wie Kriegsflugzeuge Dinslaken anflogen und ihre Bombenschächte öffneten. (Das Weitere haben sie in den Tageszeitungen lesen können) Dörfer und Städte des rechten Rheinufers bis nach Emmerich, das Berliner Ufer, wurden ab 18 Uhr unter DauerBeschuss genommen. Aus 3280 Geschützen wurde gefeuert. Für Mehrum begann das Trommelfeuer um 23 Uhr. Ein Drittel der Häuser gingen in Flammen auf, die anderen wurden zum Teil schwer beschädigt. Um 1 Uhr in der Nacht des 24. März betraten die ersten Amerikaner mein Elternhaus in der Weberstraße. Sie waren mit Schwimmpanzern über den Rhein gekommen. Im Morgengrauen des 24. März begannen die amerikanischen Pioniere mit dem Brückenbau, der am gleichen Tag noch fertiggestellt wurde. Es war die Hauptverbindung ans Ostufer. Die Brücke war abgesichert durch eine Bojenkette. Diese war 500 Meter oberhalb der Brücke, bei Stromkilometer 803 befestigt, um so Treibminen abzufangen.

Eine neue Straße wurde gebaut vom Rhein bis zum Deich, im Volksmund nannten wir diesen Weg „Amiweg“. Die Straße wurde aus Bauschutt der Ruinen und aus Basaltsteinen, die von Ossenberg stammten, gebaut. Der Deich wurde durchbrochen und der „Amiweg“ wurde mit der Alleestraße, der heutigen Schlossstraße verbunden. Diesen Deichdurchbruch haben wir hier symbolisch dargestellt. So konnte der Vormarsch reibungslos vonstatten gehen, bis zum nächsten Widerstand , dass war Hünxerwald.

Es gab noch einmal einen Zwischenfall. Ein Junge hatte eine Handgranate gefunden und diese explodieren lassen. Ganz Mehrum musste danach geräumt werden. Mich hat man vom Dach herunter geholt, ich durfte noch nicht einmal die letzten Dachziegel einhängen. Wir sind dann von verschiedenen Bauern in Löhnen aufgenommen worden. Die Landwirte, die noch eine Kuh hatten, durften dann morgens und abends nach Mehrum gehen und für 2 Stunden ihre Tiere versorgen.
(Nach dem Krieg war vor dem Krieg)

Das Rheinufer war auf einer Länge von 2 km vermint. Kampfmittelräumdienste ( Feuerwerker, genannt Himmelfahrtskommando) mussten dies entfernen, und doch konnten nicht alle Minen und Granaten gefunden werden. Einer dieser Feuerwerker fragte mich am 12. Jan. 1947 ob ich wüsste, ob noch irgendwo Munition wäre. Ich sagte ihm, dass es in der Deichkuhle noch Munition gäbe. Er ist dann beim Entschärfen der Munition in der Deichkuhle ums Leben gekommen.

Mein bester Freund ist beim Pflügen auf eine Panzermine gestoßen, auch er starb, die Pferde kamen alleine zurück.
Am linken Rheinufer wurde ein Sprengplatz eingerichtet. Jeden Dienstag ab 14.00 Uhr wurden dort Bomben und Granaten gesprengt. Wahrend dieser Zeit durften wir rechtsrheinisch nicht auf den Feldern sein.


Sehr geehrte Damen und Herren,
ich habe noch viele Erinnerungen an diese furchtbare Zeit, aber die Zeit lässt es nicht zu, dass alles zu erzählen.
Schließen möchte ich mit zwei Versen aus dem Mehrumer Lied „Von dem Lärm der Welt geschieden“, das von Lehrer Emil Clauberg getextet wurde
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Gedenken an 80 Jahre Rheinüberquerung in Mehrum

Am 23.03.2025 gab es eine ökomenische Friedensandacht am Gedenkstein Rheinüberquerung.
Inhalt und Ablauf der Andacht wurde unsvon Markus Gehling zur Verfügung gestellt.