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Zeittafel der wichtigen Ereignisse

1914
28. Juni: Ermordung des österreichisch-ungarischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und seiner Gattin in Sarajewo durch einen serbischen Nationalisten.
28. Juli: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien, einen Tag später beginnt die Beschießung Belgrads.
30. Juli: Generalmobilmachung in Russland angeordnet.
Anfang August: weitere Mobilmachungen, Kriegserklärungen, Beginn der Kampfhandlungen
1. August: Allgemeine Mobilmachung in Frankreich und Deutschland; Kriegserklärung Deutschlands an Russland.
2. August: Mobilmachung der englischen Flotte; Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Luxemburg.
3. August: Deutschland erklärt Frankreich den Krieg.
4. August: Einmarsch deutscher Truppen in das neutrale Belgien; Großbritannien tritt an der Seite Frankreichs in den Krieg ein. Bewilligung der Kriegskredite durch den deutschen Reichstag und Verkündung des „Burgfriedens“.
6. August: Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Russland.
25. bis 28. August: Zerstörung der belgischen Stadt Löwen mit ihrer berühmten Universitätsbibliothek durch deutsche Truppen.
26. bis 30. August: Sieg der deutschen Truppen über die russische Narew-Armee in der Schlacht bei Tannenberg/Ostpreußen
6. bis 12. September: Niederlage des deutschen Heeres an der Marne (1. Marne-Schlacht) im Rahmen der 1. Flandern-Schlacht; Scheitern des Schlieffen-Plans zur schnellen „Niederwerfung“ Frankreichs; Beginn der französischen Gegenoffensive zwischen Paris und Verdun; Übergang zum Stellungs- und Grabenkrieg an der Westfront.
14. September: Der Chef des Generalstabs des Feldheeres Helmuth von Moltke (der Jüngere) wird in der Leitung der Obersten Heeresleitung (OHL) durch Erich von Falkenhayn ersetzt (2. OHL).
Mitte September: Beginn der britischen Seeblockade gegen Deutschland.
Ab Mitte November: Nach dem Abbruch der 2. Flandern-Schlacht beginnt der Stellungskrieg im Westen.
Ende Dezember: Erste Soldatenverbrüderungen an der Westfront.

1915

25. Januar: Einführung von Brotmarken in Deutschland – Beginn der Rationierung von Lebensmitteln.
16. Februar: Mit der Winterschlacht in der Champagne beginnt eine bis zum Oktober andauernde Folge von Materialschlachten, in deren Verlauf alle Durchbruchsversuche scheitern.
22. April: Erstmaliger Einsatz von Giftgas in der 2. Ypern-Schlacht durch die deutsche Armee.
7. Mai: Versenkung des britischen Passagierschiffes „Lusitania“ durch das deutsche U-Boot U 20.
23. Mai: Kriegserklärung Italiens an Österreich-Ungarn. Der einstige Dreibundpartner Italien hatte sich bei Kriegsbeginn zunächst für neutral erklärt. Am 30. Mai beginnt die 1. Isonzo-Schlacht und damit der Gebirgskrieg an der italienisch-österreichischen Front.
15. bis 20. Oktober: Erste Lebensmittelunruhen in Deutschland; Bergarbeiterstreik in Oberschlesien.

1916

21. Februar: bis Mitte Juli und 24. Oktober bis 16. Dezember: Schlacht um die westfranzösische Festung Verdun; bei ihrem Beginn erstmalige Ausgabe des neu entwickelten Stahlhelms an deutsche Truppenteile.
31. Mai: Entscheidungslose Seeschlacht vor dem Skagerrak zwischen der deutschen Hochseeflotte und der britischen Grand Fleet.
1. Juli bis 25. November: Schlacht an der Somme.
29. August: Paul von Hindenburg wird Chef des Generalstabs des Feldheeres, Erich Ludendorff Erster Generalquartiermeister (3. OHL).
15. September: Erstmals Einsatz von Tanks durch die englische Armee an der Somme.
Winter 1916/17: Hungersnot in Deutschland („Kohl“- oder „Steckrübenwinter“).

1917

Anfang Januar bis April: Lebensmittelunruhen, Streiks und Demonstrationen in vielen Städten Deutschlands.
1. Februar: Beginn des uneingeschränkten U-Boot-Krieges durch Deutschland.
10. bis 12. März: Revolution in Russland, Abdankung des Zaren. („Februarrevolution“ nach julianischem Kalender).
März bis Juni: Zahlreiche Verbrüderungen zwischen deutschen und russischen Soldaten an der Ostfront.
2. April bis Ende Mai: Englisch-französische Frühjahrsoffensiven im Artois, in der Champagne und Arras, die nach anfänglichen Geländegewinnen scheitern.
6. April: Kriegserklärung der USA an Deutschland.
29. April bis Anfang Juni: Immer wieder ausbrechende Meutereien innerhalb der französischen Armee werden blutig unterdrückt.
7. Juni bis Mitte Juni: Schlacht bei Wytschaete; riesige englische Minensprengungen unter deutschem Frontvorsprung.
14. Juli: Rücktritt Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg, Nachfolger wird Georg Michaelis.
3. Juli: Erste amerikanische Vorauskommandos treffen in Frankreich ein.
19. Juli: „Friedensresolution“ des Deutschen Reichstags.
22. Oktober: Beginn einer französischen Entlastungsoffensive am Chemin des Dames.
24. Oktober: Erfolgreiche Offensive deutscher und österreichisch-ungarischer Truppen in Oberitalien bis zur Piave (12. und letzte Isonzo-Schlacht).
6./7. November: Bolschewistische Oktoberrevolution, Bildung eines „Rats der Volkskommissare“.
20. November bis 6. Dezember: Schlacht bei Cambrai, erster Masseneinsatz von Tanks durch die englische Armee; ab 30. November erfolgreicher deutscher Gegenangriff.


1918

8. Januar: Präsident Woodrow Wilson verkündet sein 14-Punkte-Programm als Grundlage für Friedensverhandlungen.
14. Januar bis 22. Januar: Massenstreikbewegung in Österreich-Ungarn, Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten.
28. Januar bis 4. Februar: Massenstreik von über einer Million Arbeitern in Deutschland („Munitionsarbeiter“- oder „Januarstreik“).
3. März: Unterzeichnung des Diktatfriedens von Brest-Litowsk zwischen den Mittelmächten und Sowjetrussland.
21. März bis Mitte Juli: Beginn der großen deutschen Offensive („Michael“) im Westen mit großen Anfangserfolgen bzw. Durchbrüchen durch den britischen Frontabschnitt. Es folgen weitere Offensiven, die nach jeweiligen Anfangserfolgen scheitern. Übergang in Abwehr- und Rückzugskämpfe.
Anfang Mai: Amerikanische Truppen treffen vermehrt in Frankreich ein – bis zum Kriegsende werden es 1,5 Millionen Soldaten sein.
8. August: „Schwarzer Tag des deutschen Heeres“ (Erich Ludendorff); Durchbruch britischer Truppen durch die Front bei Amiens.
29. September: Die 3. OHL fordert von der deutschen Regierung die sofortige Herausgabe eines Waffenstillstandsangebots an die Entente.
3. Oktober: Prinz Max von Baden wird zum Reichskanzler ernannt; Einleitung der Parlamentarisierung des Reiches („Oktoberreform) und Herausgabe eines Waffenstillstandsangebots an US-Präsident Wilson.
29. Oktober: Matrosen verweigern in Wilhelmshaven das Auslaufen der deutschen Hochseeflotte.
3. November: Beginn der Novemberrevolution, die sich von Kiel aus über ganz Deutschland ausbreitet.
9. November: Ausrufung der Republik durch Philipp Scheidemann; Abdankung des Kaisers; Übertragung der Regierungsgewalt an den „Rat der Volksbeauftragten“ unter Vorsitz von Friedrich Ebert.
11. November: Unterzeichnung des Waffenstillstandsvertrags über das Ende der Kämpfe an der Westfront.

Nachkriegszeit 1919 bis 1939
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Rotarmisten in Mehrum

Die Jahre nach dem ersten Weltkrieg waren gekennzeichnet von politischen Unruhen, die dazu führten, dass im Frühjahr 1920 bewaffnete kommunistische Arbeiterhaufen sich im Raum Hagen-Remscheids zusammenballten und auf das Ruhrgebiet losmarschierten. Die „Reichswehr“, die eigentlich die Bevölkerung schützen sollte, musste vor den „Roten“ weichen. Sie zog sich mit ihren Verbänden bis zur Lippe zurück. Das linksrheinische Gebiet war von belgischen Truppen besetzt. In der Nacht vom 21. auf den 22. März 1920 besetzten die Roten Dinslaken und rückten weiter bis Wesel vor. An der Lippe wurden sie von der Reichswehr aufgehalten. Die roten Truppen richteten an die Besatzung der ehemaligen Festung Wesel ein Ultimatum, sofort die Stadt zu räumen. Schwere Artillerie schoss in Wesel hinein. Die Roten griffen aber nicht an, weil sie von Dorsten her, wo sie schon die Lippe überschritten hatten, die Front aufrollen wollten.

Im Raum Emmelsum und Friedrichsfeld (auch in Lippedorf) entwickelte sich ein regelrechter Stellungskrieg mit Schützengräben, Minenwerfernestern, Spähtruppunternehmen mit weißen und roten Leuchtkugeln. Die bewaffneten Arbeiter verfügten über Geschütze vom Kaliber 15 cm. Auf beiden Seiten wurde mit Erbitterung gekämpft.

Die Zivilbevölkerung unserer Heimat hatte während der Unruhen unter Raub und Plünderungen zu leiden, da sich die Roten selbst mit Lebensmittel versorgen mussten. Mancher Bauer verlor seine Pferde an die roten Truppen.

Am 31. März griff die rote Armee an der heutigen B 8 zwischen Friedrichsfeld und Wesel an, wurde aber unter schweren Verlusten abgewiesen. Im Gegenstoß säuberte die Reichswehr am 1. und 2. April das Gebiet bis zur Linie Walsum – Holten – Königshardt. Gruppen versprengter Rotarmisten suchten ihr Heil in der Flucht in Richtung Duisburg. Über das Schicksal einer solche Gruppe, die über Spellen nach Mehrum (am Gründonnerstag) flüchtete, berichten im Januar 1976 die Augenzeugen Heinrich Biefang und Wilhelm Möltgen:

Ein versprengter Trupp Rotarmisten hatte am Nachmittag des Gründonnerstag das Fuhrwerk und das Pferd des Schuhmachers in Ork „requiriert“ und den Besitzer zum Fuhrdienst gezwungen. Ein Reichswehr-Offizier mit einem berittenen Maschinengewehrzug verfolgte sie. Das Pferd kannte den Weg von Ork nach Mehrum gut, weil es oft das mit Getreide beladene Fuhrwerk nach Mehrum zur Mühle bei „de Gies“ (heute Ingenwerth – Payenberg) gezogen hatte. Die flüchtenden Rotarmisten gerieten daher in helle Aufregung, als der Gaul gewohnheitsgemäß bei „de Gies“ einbiegen wollte. Fast wäre das Fuhrwerk zu Bruch gegangen.

Die Roten hatten knapp den östlichen Dorfausgang erreicht, als der sie verfolgende Offizier durch das Dorf galoppierte, an der „Pleck“ (bei Gockel) absaß, Dietrich Möltgen die Zügel zuwarf und das mit Munition beladene Fuhrwerk der Rotarmisten mit dem Karabiner unter Beschuss nahm. Lehrer Heynberg öffnete das Schlafzimmerfenster der Lehrerwohnung und rief dem Offizier zu: „Schießen Sie nicht auf wehrlose Leute!“ Der Leutnant legte wortlos auf den Dorfschullehrer an, der schnellstens vom Fenster verschwand. Von Wüstkamp (heute Hülser) aus beschoss der Öffizier die fliehenden Roten, die versuchten, bei Niemöller am Rhein den schützenden Deich zu erreichen. Der Fuhrwerksbesitzer aus Ork hatte inzwischen alles im Stich gelassen und war in die Felder geflüchtet, das Pferd brannte durch, die Rotarmisten gingen hinter dem Deich in Deckung.

Inzwischen hatte der Offizier durch seinen nachfolgenden MG-Zug Verstärkung erhalten und blieb den Fliehenden auf den Fersen. Die Roten sprangen am Rheinufer in einen Nachen des Wasserbauamtes, um zur linken Rheinseite zu flüchten. Zu spät bemerkten sie, dass keine Ruder im Nachen lagen. Die Reichswehrsoldaten brachten das schwere Maschinengewehr bei Niemöller auf dem Deich in Stellung, konnten aber wegen einer Ladehemmung das Feuer nicht sofort eröffnen. Die Mehrumer Bürger Heinrich Niemöller und Heinrich Lemm behoben den technischen Fehler. Ohne Erbarmen nahmen die Soldaten den abtreibenden Nachen unter Beschuss, obwohl die Roten die weiße Flagge hissten. Auf dem steuerlosen Kahn rührte sich nach wenigen Minuten nichts mehr, ein Rotarmist klammerte sich außenbords verzweifelt an die Ankerkette. Der Leutnant forderte ihn in Höhe des Geestweges (heute Reshoverweg) auf, an Land zu schwimmen. Mit einer Stielhandgranate in der Hand erreichte der Rote das Ufer und wurde entwaffnet. Bauer van Heuvel – das Pferd hatte der Trichinenbeschauer Borkus, von Löhnen nach Mehrum kommend, eingefangen – erkannte den Mann sofort als einen der Plünderer, die seinen Hof überfallen hatten. Der Gefangene trug eine schwarze Frackhose. Reichswehroffizier und Gefangener feierten ein trauriges Wiedersehen: sie waren Schulkameraden aus Königshardt! Die Härte des Bürgerkrieges ließ jedoch keine Ausnahme zu. Die Reichswehrsoldaten fesselten den Ärmsten am MG-Munitionswagen und verfolgten den Nachen, der von dem gerade passierenden Schleppboot „Heinrich“ der Firma Hülskens aus Wesel an die Kribbe bei der „Blauen Wolke“ (volkstümlicher Name für die Fährhütte, etwa bei Stromkilometer 803) gedrückt wurde.

Den Soldaten und den aus dem Dorf herbeigeeilten Neugierigen bot sich ein grausiger Anblick: acht Tote und fünf Schwerverletzte! Die Verwundeten wurden von einem Militärarzt versorgt und erhielten ein Strohlager im Klassenraum der Mehrumer Dorfschule. Am Karfreitag brachte die Reichswehr sie nach Voerde, wo sie nach Kriegsrecht im Wäldchen neben dem heutigen Freibad standrechtlich erschossen wurden.

Der Karfreitag brachte einigen Mehrumer Bürgern einen recht unangenehmen Auftrag, Bestattung der acht Toten aus dem Nachen. Heinrich Biefang, Johann Rissel, Heinrich Gockel und Dietrich Möltgen luden die Leichen auf den Wagen von D. Möltgen, brachten sie nach Götterswickerhamm und bestatteten sie in einer Kuhle neben der alten Mühle (später Gaststätte Storchennest). Dort befand sich auch das Leichenhaus, in dem Wasserleichen aufgebahrt wurden. (Nach dem Umbau der Mühle zur Wirtschaft verlegte die Verwaltung das Leichenhaus zur Deichkuhle). Die Leichen der Rotarmisten fanden später auf dem Franzosenfriedhof in Friedrichsfeld ihr letzte Ruhe.

Die Ereignisse am Gründonnerstag hatten viele Dorfbewohner auf die Straßen und auf den Deich gelockt, als ein zweiter Maschinengewehrzug der Reichswehr von Ork kommend den Ortsrand am Schloss Mehrum erreichte. Der verantwortliche Offizier hielt die Menschen auf dem Deich zunächst für Rotarmisten und wollte schon in Stellung gehen, als der Hauslehrer vom Schloss herbeieilte und ihn über seinen Irrtum aufklärte.

Der Schlossherr, Baron Freiherr Karl Anton von Plettenberg, hatte sich bereits zu Beginn der politischen Unruhen von dem Fährmann Johann Lemm zur anderen Rheinseite bringen lassen, die von belgischen Truppen besetzt war.

Die politischen Unruhen brachten der Bevölkerung der Großstädte Armut und Hunger, so dass die Menschen versuchten, sich gewaltsam Lebensmittel zu verschaffen. Etwa 50 Hungrige und Rotarmisten aus Hamborn zogen durchs Löhnener Feld und plünderten den Kartoffelkeller auf Ettwigshof. Der Gendarm und seine Helfer schnappten die Leute und veranlassten die Rückgabe der Feldfrüchte.

1919 – 1939

Der Arbeitsdienst
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Am 1. August 1933 öffnete das Lager Friedrichsfeld seine Tore, um getreu dem Führer Adolf Hitler im Geiste des Nationalsozialismus junge Leute zum Arbeitsdienst aufzunehmen. Das Lager „Friedrich der Große befand sich s, Zt. östlich der heutigen Bülowstraße und nahm in 10 Steinbaracken 216 Mann auf. ( Sollstärke der Dienstabteilung ) Sinn und Zweck der von der Regierung Hitler ins Leben gerufenen Arbeitsdienstpflicht war es, die deutsche Jugend zu einem starken Geschlecht im Kampf für Volk und Vaterland zu erziehen. Im Arbeitsdienst mussten junge Leute aller Berufszweige ihr Pflichtjahr absolvieren. Sie waren nicht mehr Bäcker, Kaufmann oder Abiturient sondern „Arbeitsmann“.

Der damalige Arbeitsführer Hierl umriss die Zielsetzung wie folgt:

Der Arbeitsdienst, dieser Ehrendienst der deutschen Jugend am Volke, ist die praktische Anwendung dieser nationalsozialistischen Auffassung von Arbeit und Arbeitertum, er ist zugleich der sinnfällige Ausdruck der nationalsozialistischen Volksgemeinschaft, in der die trennenden Schranken der Klassen, Stände und Konfessionen niedergerissen sind und Eigennutz und Eigenwille zurücktreten vor dem Dienst am gemeinsamen Volke. Wir nationalsozialistische Arbeitsdienstler als junge Garde der Arbeit sind berufen, die Stoßarmee in der großen Arbeitsschlacht zu bilden und den Nationalsozialismus der Tat vorzuleben. Wir betrachten den Arbeitsdienst als sittliche Pflicht der deutschen Jugend, auch wenn dieses Pflichtjahr gesetzlich noch nicht festgelegt ist.

Der Arbeitsdienst im deutschen Volke hatte es sich zur Aufgabe gemacht, durch Rodungs- und Rekultivierungsarbeiten am deutschen Mutterboden im Verlaufe eines langjährigen Programmes die Brotfreiheit des Vaterlandes sicherzustellen.

Zur weiteren Schulungsaufgabe gehörte es, dass alle jungen Leute sich in Sport und Turnen bei regelmäßiger körperlicher Arbeit übten, um sozu einem deutschen Mann mit gesundem Geist geformt zu werden.

Sie genossen eine straffe, fast militärische Ausbildung. Ihre Waffen waren der Spaten und die Hacke. Selbstverständlich erhielten die „Arbeitsmänner“ 3-4 Stunden pro Woche auch staatspolitischen Unterricht.

Der Arbeitsdienst richtete Baustellen in der Hünxer Heide- im früheren Truppenübungsplatz östlich der B8- (Rodung und Rekultivierung von Ackerland für die Siedlerstellen), Baustellen an der Lippe (Befestigung des Ufers und Zurückgewinnung von neuem Weideland) und eine weitere am Rhein in Mehrum ein.

In der Festschrift**** zum einjährigen Bestehen des Arbeitssdienstes der NSDAP,

Dienstabteilung 4/210 in Friedrichsfeld wird über die Baustelle in Mehrum berichtet.

Im Frühjahr 1934 richtete ein Arbeitstrupp (30 Männer) , der jeden Tag von Friedrichsfeld nach Mehrum marschierte, im Schloß ein Quartier her, um dort eine ganze Dienstabteilung 7/210 auf längere Zeit unterzubringen. Die 120 Mann schliefen zur Hälfte im Schloßgebäude und in Holzbaracken die westlich im Park aufgestellt wurden. Im hinteren Nebengebäude war die Verwaltung untergebracht. Hier wohnten der Rechnungsführer, der Quartiermeister (Küchenchef) und zum Teil die Zugführer.

Angeführt wurden die alten „Mehrumkämpfer“ von Truppführer Heinz Bresch. U.A. war in der Zeit von 1934-1935 Willi Mölleken, selbst Mehrumer Junge, als Truppführer nach hier abkommandiert worden ( wurde später zum Obertruppführer befördert). Abteilungsführer Baltes wohnte in Voerde. Im Schloß hatte er nur ein Büro.

Nach Auskunft von Willi Mölleken hatten die Arbeitsmänner vergeblich versucht, den unterirdischen Gang vom Schloß zum ehemaligen Kloster (hinter der Gaststätte Mölleken) zu finden.

Das Schloß diente noch bis zum Jahr 1937 dem Arbeitsdienst als Unterkunft, um hier die jungen Leute durch Arbeit zur „nationalsozialistischen Volksgemeinschaft“ zu erziehen.

Die Abteilung 7/210 verließ unser Dorf, um in Waldniel neue Aufgaben zu übernehmen-

**** Festschrift, befindet sich am Ende dieses Abschnittes.

1919 – 1939

Eine „Neue Zeit“ bricht an.
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Dieser Text stammt von dem Chronikausschuss aus den Jahren 1968-1979. Die Mitglieder waren ausnahmslos Zeitzeugen dieser Geschehnisse und sind am Anfang dieser Chronik namentlich erwähnt.

Beginn des Nationalsozialismus

In der Arbeitslosenzeit von 1929-1932 entstanden große Unruhen in der Bevölkerung. Der Nationalsozialismus breitete sich aus. Mitgliederwerbungen insbesondere bei den Arbeitslosen unter dem Motto „ willst du Arbeit, musst du der Partei beitreten“ gingen umher. Schon 1931 hielt Sturmbannführer Seuken (bei der Reichsbahn beschäftigt) eine Versammlung bei Korfkamp in Möllen ab. Weitere folgten in Voerde und Mehrum.

Nach der Machtübernahme durch Adolf Hitler im Jahre 1933 konnte nur derjenige in die Partei eintreten, der den Ahnenpass * vorlegte.

Zu dieser Zeit bestanden folgende Organisationen:
Männlich
10-14 Jahre Jungvolk
15-18 Jahre HJ – Hitlerjugend
ab 19 Jahre SA – Saalabteilung
SS – Sturmstaffel

Weiblich
10-14 Jahre Jungmädel
15-18 Jahre BDM – Bund Deutscher Mädel
ab 19 Jahre NS – Frauenschaften

Im Jungvolk bildeten Löhnen, Götterswickerhamm und Mehrum einen Jungzug. Sie mussten zweimal in der Woche ihren Dienst durch Umgang mit dem Luftgewehr oder bei Geländespielen verrichten.

Bei der Hitlerjugend gab es verschiedene Nutzungsgruppen:
NSKK – Nationalsozialistisches Kraftfahrercorps
NSFK – Nationalsozialistisches Fliegercorps

Die Jugend flüchtete in diese Organisationen, damit sie sich politisch nicht so stark zu erkennen geben brauchten und um nicht Mitglied der SA zu werden. Der Mitgliedsbeitrag In der NSDAP ** (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiter Partei) betrug im Durchschnitt 4 – 5 Mark, während sich sich der Beitrag in der NSBO*** (Nationalsozialistische Betriebszellenorganisation – später Arbeitsfront) nach dem jeweiligen Verdienst des Mitglieds richtete.

Ein Landwirt zahlte damals 1,20 Mark.

*Ahnenpass:

** NSDAP:

*** NSBO:

Erklärungen zu diesen Bezeichnungen am Ende dieses Abschnittes.

NSDAP – Gliederung: Blockwart, Zellenleiter, Ortsgruppenführer
Uniformfarbe : braun

Es bestanden weitere Organisationen:
NSV – Nationalsozialistische Volkswohlfahrt.
Man würde sie heute mit dem Sozialamt vergleichen. Die Organisation unterstützte kinderreiche Familien.
Sie hatte für die Familie Fengels – (wohnte z. Z. mit sieben Kindern in der Schlüj) ein neues Haus in Voerde errichtet.
Die Übergabe der Schlüssel stellte die Partei mit großer Propaganda heraus.

WHW– Winterhilfswerk.
Diese Organisation sollte dazu dienen, sozial schwachen Volksgenossen zu helfen unter dem Motto, kein Deutscher soll im Winter hungern und frieren.

KdF – Kraft durch Freude
Verdiente Arbeiter, die sich im Berufsleben bewährten, sollten preiswert einen Erholungsurlaub verleben können. Zu diesem Zweck wurden Passagierschiffe gebaut u.a. die Wilhelm Gustloff. Sie wurde bei Kriegsende für die Evakuierung der Bevölkerung Ostpreußens gebraucht und später von U-Booten versenkt.

VW – Volkswagen
Als Unterorganisation zur KdF. Der Arbeiter konnte sich wegen seiner geringen Einkünfte keinen neuen Personenwagen kaufen. Ihm wurde aber Gelegenheit gegeben, einen VW anzusparen. Diese Organisationen sahen für den einfachen Mann auf der Straße in dieser miesen Zeit recht positiv aus. Trotz aller Skepsis unterstützten bzw. akzeptierten sie diese Partei.

Konnte man früher seine Parteizugehörigkeit durch Zahlung von Beiträgen nachweisen, so musste der Arbeiter ab 1937 öffentlich entweder das Parteibuch, das Parteiabzeichen oder die Mitgliedschaft in parallelen Organisationen nachweisen.

Der Nationalsozialismus wirkte sich auch auf die Vereine aus. Der Vorsitzende des BSV Mehrum Winand Ettwig konnte nicht im Vorstand bleiben, da er nicht der Partei beigetreten war. Ab 1933 trug die Fahne des BSV ein großes Hakenkreuz. Anlässlich eines Jubiläumsfestes des Gesangvereins im Zelt hinter der Gastwirtschaft Ziegler wurden die Herren Hülsemann und Biefang ( Vater von Heinrich Biefang) gerügt, weil sie beim Einmarsch des Arbeitsdienstes sitzen geblieben und nicht die Hand zum Gruß „ Heil Hitler“ erhoben.

Heinrich Biefang erzählte uns, wie er zusammen mit dem Schullehrer Hermann Breymann als nicht überzeugte Nationalsozialisten in Möllen die Prüfung für das SA- Sportabzeichen ablegten. Nach dem 3000 m – Lauf sowie anschließender Geländeausbildung u.a. auch Schätzung von Entfernungen erhielten sie überaschenderweise die Mitteilung, dass sie bei der Prüfung durchgefallen seien. Einer Aufforderung, diese Prüfung nach 14 Tagen zu wiederholen, seien sie nicht gefolgt. Trotzdem wurde ihnen das SA- Sportabzeichen nach einigen Tagen ins Haus gebracht.

Hatte noch Hermann Breymann trotz seiner großen Familie sich als Nationaldemokrat geweigert, bei der Machtübernahme 1933 das Schulgebäude zu flaggen, wurde er 1937 mehr oder weniger zum Beitritt in die NSDAP gezwungen, um seinen Lehrerberuf zu erhalten.
(Er kehrte 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft zurück und und wurde gem. seiner ursprünglichen Überzeugung wieder Sozialdemokrat.) Auch Heinrich Biefang musste 1937 gegen seinen Willen in die Partei eintreten, da er sonst als Beamter für die Reichsbahn nicht mehr tragbar war.