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Ehemalige Gaststätten/Geschäfte


Gaststätte Mölleken

Vorbemerkung zur Krüskens Kate
Zur ehemaligen Gaststätte Mölleken hat Heimatforscher Walter Neuse über die Ortschaft Mehrum u.a. zur Gaststätte Mölleken folgende Aufzeichnungen gemacht:

Diese Gaststätte an der Schulstraße ist aus der Krüskens Kate hervorgegangen. Sie gehörte zu den Gütern des Klosters Hamborn. Die Kirche Götterswickerhamm bezog aus dieser Kate einen jährlichen Ausgang von 1 Gulden oder 14 Stübern. Wie sie zu diesem Recht gekommen ist, bleibt noch zu erforschen, auch, wann und auf welche Weise das Kloster Hamborn in den Besitz der Kate kam.

Geschichtlich belegt ist allerdings, dass diese Kate bei der Auflösung des Klosters Hamborn (1811) an den Staat fiel. Am 22. März 1817 erhielt Engelbert Lemm lt. Erbpachtvertrag die Kate zu Eigentum gegen Zahlung von 52 Reichstalern und eines jährlichen Kanons von 18 Reichstalern, von denen jedesmal der dritte Teil in Geldmünzen zu entrichten war. Walter Neuse schreibt hierzu: „Johann Lemm, geb. 1803, wurde Erbe der Kate. Von ihm heißt es 1832, dass er von Beruf Schenkwirt ist, doch daraus kann nicht geschlossen werden, dass er die Schenkwirtschaft eingerichtet hat, denn diese bestand schon seit langer Zeit“.

Zusammenfassend kann aus den wenigen zur Verfügung stehenden Unterlagen geschlossen werden, dass die Krüskens Kate Vorgängerin in der Gaststätte Mölleken war. Es kann also unterstellt werden, dass an der Schulstraße immer eine Gaststätte vorhanden war.

Heinz Ettwig hat zur Gaststätte Mölleken über die Zeit ab 1900 folgende Ausführungen gemacht:

Um 1900 war Fritz Ziegler Eigentümer der Gaststätte an der Schulstraße 12. Er vererbte diese später an seinen Sohn Heinrich (verst.1954). Die Mehrumer munkelten, dass es von der Gaststätte einen unterirdischen Gang als Fluchtweg zum Schloss Mehrum gab.

Die Gaststätte wurde im Jahre 1927 um einen großen Saal erweitert. Eine seitlich angebaute Kegelbahn gab es noch bis zum Kriegsende. Während der Kriegszeit war der Saal mit Heu ausgelegt, um hier russische Soldaten zu beherbergen. Von 1946 bis 1948 war in der Gaststätte die einklassige Schule untergebracht,da das Schulgebäude beim Rheinübergang der Alliierten 1945 zerstört wurden. Das Poststübchen rechts neben dem Eingang zur Abgabe der Post gab es noch bis Anfang der 50iger Jahre. Dahinter war bis Kriegsende noch ein kleiner Lebensmittelladen eingerichtet. Heinrich Ziegler war Angestellter der Post und für unser Dorf als Briefträger tätig. In der Poststube gab es auch das erste öffentliche Telefon. Bei den Mehrumern hieß diese Gaststätte auf plattdeutsch auch „Klompenkamer“.  

Heinrich Mölleken zog nach dem Verkauf des Hofes in Walsum-Overbruch in die landwirtschaftlichen Gebäude von Haus Mehrum ein und pachtete vom Baron von Plettenberg den Betrieb mit den dazugehörigen Ländereien. Sein Sohn Heinrich heiratete später Elisabeth, Schwester von Heinrich Ziegler. Ihre Kinder Fritz, Gertrud, Heinrich und Friederike wurden hier auf dem Hof geboren. Die Familie zog nach der Versteigerung bzw. Kauf durch die Fa. Hülskens im Jahre 1942 in die Gebäude Ziegler ein. Später war es die Gaststätte Mölleken. Er selber arbeitete für mehrere Jahre bei der Kiesbaggerei Brauckmann. Elisabeth, gen. Lisebeth, und die Töchter Gertrud und Friederike, gen. Friedchen, haben lange Zeit die Wirtschaft betrieben.

Letzter Eigentümer der Gaststätte war Fritz, gen. Büb, Mölleken mit seiner Frau Marianne. Er erweiterte den Saal um zwei Kegelbahnen im Jahre 1968 und später 1975. Büb hatte Wicküler Biere im Ausschank. Büb war bis zur Schließung der Molkerei in Voerde Milchfahrer und hatte einen kleinen landwirtschaftlichen Nebenerwerbsbetrieb mit ca. zwei bis drei Kühen und Schweinen zur Eigenschlachtung. Der Saal wurde überwiegend zur Nottekirmes, bei Karneval (Wurstessen) oder zu Schützenfesten, aber auch sehr oft für Familienfeierlichkeiten genutzt. In den letzten 10 Jahren fanden alle zwei Jahre an drei Tagen die plattdeutschen Abende mit jeweils rd. 140 Besuchern statt. Da die Erben nicht die Wirtschaft übernehmen wollten, verkaufte Büb den ganzen Gebäudekomplex im Jahre 2001 an Iwo und Dana Zeko, gebürtig aus Kroatien, die die Gaststätte bis Ende Januar 2010 führten. Ab diesem Zeitpunkt bis heute waren die Gebäude nicht mehr bewohnt. Durch eine Versteigerung im Jahre 2016 kaufte die Erbengem. Droste die Gebäude, um hier nach umfangreichen Renovierungen im Hauptgebäude Wohnungen zu errichten.

Gaststätte Rheinwacht (Lemme Jan)

Auch die kleinere Gaststätte Johann Lemm gegenüber der Schule Mehrum wurde erstmalig 1902 erwähnt. Nach dem 2.Weltkrieg übernahm Tochter Inge die Gaststätte. Sie heiratete Fritz Band, der aus Brandenburg kam und einige Zeit auf Gut Götterswick arbeitete. Er betrieb hier noch lange Jahre Landwirtschaft im Nebenerwerb. Diese Gaststätte zur Rheinwacht als typische Eckkneipe war eine gemütliche Tageswirtschaft mit lecker gezapftem König-Pilsener. Hier trank man sein Feierabendbier und besonders am Wochenende war es rappelvoll. Auf der Theke standen Soleier und Frikadellen unter einer Haube. Wenn man Glück hatte, gab es auch kalte Koteletts. Es gab auch einen Kicker und einen Glücksspielautomaten und auch Billard wurde gespielt. Man konnte auch anschreiben lassen. Manchmal passierte es, dass einer abgefüllt wurde und Freddy, er war Friseurauszubildender, hat dann gegen einen Obolus demjenigen eine Glatze geschnitten. 11 Zigaretten kosteten 1 DM und für 2 DM gab es 20 Zigaretten und als Wechselgeld waren 3 Groschen eingeschweißt.

Nach Unterlagen aus dem Archiv der StadtVoerde :
Gaststätte Wacht am Rhein Mehrum Nr. 28 , heute Schulstraße 28

1902 wurde die Gaststätte erstmals erwähnt
1912 Konzession an Johann Lemm
1927 Erneuerung der Konzession Johann Lemm
1954 Konzession an Ingeborg Band geb. Lemm
1965 Konzession an Luise Kroezemann
1968 Konzession an Marianne Biewald
1969 Konzession an Margot Demond

Gaststätte Fährhütte

Bereits im Jahre 1664 existierte eine Fähre zwischen Mehrum und Rheinberg. Es war eine Segelponte, die neben Personen auch Vieh transportierte. Ab dem Jahr 1895 ersetzte eine Nachenfähre mit Motor diese Segelponte. Ab 1887 steuerte der Fährmann Johann Lemm diese Fähre. Zwei Jahre später erhielt er eine Konzession für eine kleine Gaststätte.

NachUnterlagen aus dem Stadtarchiv der Stadt Voerde :
1889 Eröffnung
1889 Konzession an den Schiffer Johann Lemm ( siehe Erlaubnisschein folgend)
1925 Konzession an den Schiffer Johann Hülser bis 1938
1941 Konzession an Schreinermeister Dietrich Evers
1952 Einstellung des Fährbetriebes und Schließung der Fährhütte

Im Jahre 1925 löste Johann Hülser, auch ein Mehrumer Schiffer, Johann Lemm als Fährmann und Betreiber der Gaststätte „Fährhütte“ ab. Schon kurz nach seinem Dienstantritt wurde eine neue Holzkonstruktion am Rheinufer errichtet, deren Grundfläche 24 Quadratmeter bei einer Raumhöhe von 2,70 Metern umfasste. Darüber hinaus war der neue Bau zerlegbar, um bei drohender Hochwassergefahr in Kürze abgebaut werden zu können. Der letzte Fährmann der Mehrumer Ponte war Schreinermeister Dietrich Evers, der im Jahr 1941 auch die amtliche Schankkonzession für die „Fährhütte“ erhielt, die seinerzeit von 10 Uhr morgens bis 22 Uhr abends geöffnet hatte, und in der man Spirituosen aller Art und Flaschenbier konsumieren konnte. Sowohl der Fährbetrieb als auch die dazugehörige Gaststätte fanden im Jahr 1952 ein jähes Ende, nachdem eine Zahnarzthelferin aus Voerde bei einer stürmischen Überfahrt nach Rheinberg in die Fluten des aufgewühlten Strom gestürzt und ertrunken war. Der Fährbetrieb wurde danach nicht wieder aufgenommen. Vielleicht erinnern sich aber noch einige Zeitzeugen und Zeitgenossen, die in den 1960er oder 1970er Jahren zu Fuß oder mit dem Fahrrad am Rhein in Mehrum unterwegs waren, an eine merkwürdig zusammengewürfelte und bunte Holzkonstruktion, die die Einheimischen „Villa Niedlich“ nannten. Sie bestand aus den Resten und Überbleibseln der „Fährhütte“, die jemand aus dem Ruhrgebiet mitsamt Grundstück aufgekauft hatte, um sich dort eine kleine Wochenendresidenz in unmittelbarer Rheinnähe einzurichten. Und wirkte in den Sechzigern und Siebzigern wirklich niedlich.- und auch ein bisschen wie eine Hippie-Residenz. Aber die gibt es auch schon lange nicht mehr….

Im Band 4 der Schriftenreihe der Lydia und Heinz-Stiftung, Voerde (SRS4) schreibt Michael Dahlmanns unter dem Titel „Voerder Kneipen-Geschichte (n) über die Mehrumer Gaststätten.

Geschäft Gockel

Heinrich Gockel aus Spellen-Ork heiratete Anna Lemm und baute auf dem von ihrem Vater Gastwirt Johann Lemm vererbten Grundstück an der „Pleck“ Ortseingang Ecke Weberstraße/Reshovener Weg ein Haus mit einem Lebensmittelladen. Dieses Haus wurde durch Kriegseinwirkungen total zerstört.

Der Schutt wurde noch von den Alliierten zur Aufhöhung der Pleck verwendet. Sohn Heinz Gockel errichtete in den 50iger Jahren einen Neubau und eröffnete anschließend mit seiner Frau Else wieder einen Lebensmittelladen. Da auch hier keine Erben das Geschäft übernehmen wollten, verkauften die Kinder das Haus mit den anliegende Grundstücken.

Geschäft und Bäckerei Wilhelm Ettwig          

Geschäft und Bäckerei Wilhelm Ettwig

Wilhelm Küpperdamm kam aus Kamp-Lintfort und war ab 1831 über 40 Jahre erster staatlich angestellter Lehrer in der einklassigen Schule Mehrum. Er heiratete 1830 Elisabeth Ingenwerth. Als er in den Ruhestand trat, zog er von der Lehrerwohnung in das von Röttger, genannt Köhnen, gekaufte Grundstück an der Schloßstraße in Mehrum ein. Nachfolgend hat seine Tochter Margarete im Jahre 1857 Jakob Ettwig geheiratet und erbte dieses Gebäude. Der aus dieser Ehe stammende Sohn Wilhelm Ettwig heiratete Anna, geb. Hoof, und ist 1970verstorben. Wilhelm erlernte in Kleve das Bäckerhandwerk und arbeitete noch bis Anfang 1950 in der Backstube Peter Scholten (später Wiebus) in Götterswickerhamm. Um als Meister Lehrlinge auszubilden, half er danach zu Hause seinem Sohn Wilhelm beim Aufbau der Backstube. Dieser Sohn Willi hat in den 50iger Jahren in Rheinberg die Bäckerlehre gemacht. Sein Brot lieferte er zur Kundschaft in Mehrum, Ork und Spellen. Die Brötchen wurden des Morgens von dem Lehrling Hermann Gockel von Haus zu Haus gebracht.
Anna Ettwig führte Anfang der 60iger Jahre bis 1976 hier an der Schloßstraße einen Lebensmittelladen. Danach hat auch Sohn Willi Ettwig seine Backstube geschlossen, da die Kinder andere Berufe ausübten.

Küpperdamm ist noch bis heute als Beiname geblieben. Weiter gab es einen Beinamen Feldmes. Die Schwester von Wilhelm Senior hat vermutlich einen Feldmann aus Kleve geheiratet und beide haben für kurze Zeit bei Ettwig gewohnt.

Selbstversorger

Viele Mehrumer waren Selbstversorger, sie verkauften an der Haustüre Lebensmittel wie Eier, Butter, Käse, Kartoffeln usw., so z. B. Bönneken an der Schulstraße. Es hatten auch viele einen Beinamen, wie z. B. „Botter Lemm“, weil sie selber Butter herstellten. Die Bauern fuhren zum Markt nach Dinslaken oder Hamborn, aber auch in Richtung Rheinberg, dorthin mussten sie mit der Fähre übersetzen.

Heute

Leider hat sich das Zusammenleben in Mehrum infolge der nicht mehr existierenden Gaststätten und Geschäfte stark verändert, nicht unbedingt zum Vorteil. Heute haben wir nur noch die Schützenhalle, die auch für sonstige Veranstaltungen und Festlichkeiten genutzt bzw. gemietet werden kann. In den letzten Jahren hat sich die Schützenhalle auch zum Dorftreffpunkt weiter entwickelt.

Weitere Einzelheiten sind in dem Buch „300-jährigen Bestehens Bürgerschützenverein Mehrum“ und in dem Buch „Die Dorfgeschichte von Mehrum und die Geschichte des adeligen Hauses Mehrum“ nachzulesen. Dieses Buch erschien im Jahr 1992.