Zum Inhalt springen

Das Schmiedehandwerk war für das Dorf Mehrum sehr wichtig. Ohne eine Schmiede im Dorf hätten die Bauern nicht ihre Felder bestellen können, denn dazu brauchten sie Pferde, die die unterschiedlichsten Landmaschinen ziehen konnten. Laut einem Zeitungsartikel wurde die Schmiede von Meister Friedrich Schmitz 1809 gegründet und blieb bis 1967 in Familienbesitz. Jakob Schmitz, Sohn von Friedrich Wilhelm Schmitz, übernahm den Betrieb von seinem Vater und betrieb ihn bis zu seinem Tod. Er war verheiratet mit Alwine Schmitz, geb. Mattheis.

Bild stammt aus einem Zeitungsartikel der Rheinischen Post und wurde mit KI bearbeitet.

Waren anfänglich das Beschlagen der Pferde und das Schmieden von Gütern für die Landwirtschaft die hauptsächlichen Aufgaben, so änderte sich das mit dem Aufkommen der Traktoren und der Elektrifizierung der Maschinen. Die Reparaturen der Trecker und sonstigen Landmaschinen und der Bau von Kippkarren oder Heuaufzüge waren neue Aufgaben, die in der Schmiede erledigt wurden.In der Regel bestand die Belegschaft der Schmiede aus dem Schmiedemeister selber und einem Lehrling. Mehrere Mehrumer Jungs wurden in der Schmiede Schmitz ausgebildet, u.a. Peter Dorstewitz von 1953 bis 1956. Er erinnert sich:

Nachdem ich von Eisennach nach Mehrum geflüchtet bin, habe ich im August 1953 im Alter von 14 Jahren eine Lehre in der Schmiede von Jakob Schmitz begonnen. Neben der Schmiede hatten Jakob und Alwine Schmitz auch noch ein wenig Landwirtschaft mit der Haltung einer Kuh. Mein Tag begann um 8 Uhr, gegen 12 Uhr gab es dann Mittagessen und die Arbeit endete mit dem gemeinsamen Abendessen. Mein Lehrgeld betrug 6 ,– DM. Einmal in der Woche fuhr ich mit dem Fahrrad zur Berufsschule nach Dinslaken. Die Abschlussprüfung war in einer Schmiede in Dinslaken. Als Gesellenstück habe ich das Endstück eines Hemmken (Teil eines Pferdezuggeschirrs) geschmiedet. Schön war es,wenn ich ein Pferd, das beschlagen werden sollte, von der Wiese holen sollte. Dann konnte ich bis zur Schmiede reiten. Die Lehre war sehr abwechslungsreich, weil später auch die Reparatur von Traktoren dazu kam. Neben dem Schmiedefeuer, wo Temperaturen bis 1200 Grad erreicht wurden, gab es auch eine Drehbank, eine Bohrmaschine und einen Schleifstein, alle Geräte wurden über eine Transmission angetrieben. Glück hatte ich, als ich mit meiner Arbeitsjacke in die Transmission geriet. Ich wurde hoch geschleudert, aber Gott sei dank, flogen alle Knöpfe der Jacke weg, so dass nur die Jacke zur Decke geschleudert wurde und ich wieder auf dem Boden landete. Während meiner Lehre wurde die Schmiede dann auch mobil. Jakob Schmitz kaufte ein Tempo Dreirad, so konnten Reparaturen oder Auslieferungen vor Ort bei den Kunden durchgeführt werden. Auch die ersten Silos mit Siebanlagen der Kiesbaggerei Brauckmann wurden von Jakob Schmitz gebaut

2. v.l. Schmiedemeister Jakob Schmitz

Als Jakob Schmitz 1967 verstarb, wurde die Schmiede verpachtet und diente u.a. als Autowerkstatt.